Geschichte der Pflege - Von der Frühzeit bis zum 21. Jh.
(Gabriele Kraus-Pfeiffer)
 

Frühzeit Christentum Mittelalter 30-jähriger Krieg Das 19. Jahrhundert Das 20. Jahrhundert
           
Die NS-Zeit
Pflege von 1945 bis 1985
Pflege von 1985 bis heute
Zusammenfassung

Frühzeit

Literaturverzeichnis

Bis in die Frühzeit der menschlichen Entwicklung hin lässt sich die Geschichte der Krankenpflege zurückverfolgen. Frauen waren zuständig für die Pflege und Erziehung der Kinder, betreuten das Feuer, sammelten Nahrungsmittel, betrieben Ackerbau, züchteten Kulturpflanzen und machten sich die vielfältigen Erfahrungen mit Kräutern zu Nutze, wie z. B. zur Geburtenregelung und zum Heilen. Pflegerische Handlungen fanden sich auch in magischen und religiösen Bräuchen und Riten wieder. Das Betreuen von Kranken und Verwundeten lag zumeist bei der Familie und deren Sippe.

Bereits in den frühen Hochkulturen Mesopotamiens, Ägyptens, Chinas und Indiens wurde hoch entwickelte Heilkunst betrieben. Es wurden mehr als 800 Heilrezepte aus dieser Zeit gefunden und übersetzt.

In Griechenland spielten die Diätetik und deren Heilpläne eine besondere Rolle; diese können heute der Krankenpflege zugeordnet werden. Das Element der hippokratischen Medizin, nämlich die genaue Beobachtung des Kranken, hat für die heutige Krankenpflege noch immer eine große Bedeutung.

Christentum

Auf dem im Christentum basierenden Ideal der Nächstenliebe entsprang die praktische „Caritas“, der Dienst am Menschen. Es entstand die Institution des Diakonats mit den Ämtern Diakon oder Diakonin. Diese mussten zum Teil äußerst niedrigen Dienstleistungen wie das Waschen und Salben von Kranken, Bekleiden und Bestatten der Toten verrichten. Mit großer Achtung erzählte der heilige Hieronymus um 399 n. Chr.  von der vornehmen Römerin Fabiola, die ihr Leben karitativen Aufgaben widmete. Sie gründete das erste öffentliche Gemeindehospital und war dort als Ärztin, Heilerin und Krankenpflegerin tätig.

Das Leben der Menschen war in der Zeit vom Zerfall des Römischen Reiches bis zum Hochmittelalter hin geprägt durch Kriege und Seuchen und deshalb außerordentlich beschwerlich. Durch verheerende Brände in Klöstern und deren Bibliotheken wurden die heilerischen und medizinischen Niederschriften zerstört. Hebammen, Chirurgen, Bader und Wundärzte überlieferten der Bevölkerung die Heilkünste mündlich. Seit dem 11. Jahrhundert zeichnete sich eine kontinuierliche Zunahme der Bevölkerung ab. Es entstanden Städte, klösterliche Hospitäler, der Handel weitete sich aus und entlang großer Pilgerwege entstanden Spitäler. Während der Kreuzzüge in den Jahren 1096 – 1291 übernahmen Frauen die Pflege von Kranken und Verwundeten. Es entstanden viele Pflegeorden, so z. B. der Johanniterorden und der Deutschorden.

Mittelalter

Im Mittelalter gründeten Frauen, die Beginen, einen weltlichen Orden - frei von Ordensregeln. Sie kamen aus allen Schichten der Bevölkerung und pflegten vorwiegend die Armen, da die wenigen Ärzte nur den Reichen zur Verfügung standen.

 

Beginen
 Eine Beginin

 

 Vor allem im 14. und 15. Jahrhundert, einer Zeit geprägt von Hexenwahn und Hexenverfolgungen, hatten sie einen schweren Stand und wurden als Ketzerinnen und damit als Feinde der Kirche angesehen. Im 16. Jahrhundert, dem Jahrhundert der Reformationen und Gegenreformationen, wurden viele Klöster geschlossen und zerstört. Die Pflege etablierte sich vor allem in öffentlichen Siechenhäusern. Die Kranken und Hinfälligen wurden dort unter katastrophalen, hygienischen Verhältnissen und von Frauen mit teilweise eher zweifelhaftem Ruf betreut.

 Hotel Dieu

Spital im Mittelalter

 

In den mittelalterlichen Spitälern mühten sich Ärzte und Pflegende nach Kräften, zumindest das größte Elend zu lindern.

 

 

Krankensaal , Holzschnitt um 1500

 

30-jährige Krieg

Der 30jährige Krieg (1618 bis 1648) hatte Verwüstungen, Hungersnot und Massenelend im Gefolge. Außerdem wütete die Pest und weitere Seuchenzüge folgten. Die Krankenversorgung wurde dadurch erheblich erschwert. Es kam zu einer Verwilderung der Sitten. Dies hatte natürlich Einfluss auf die Krankenpflege. In diese Zeit fällt vermutlich das Erscheinen der ältesten Abhandlung zur Krankenwartung von Jacob Oetheus, denn er war der Meinung, dass Kranken „fleißige und fürsichtige“ Pfleger zugeordnet werden sollten.

 

Erstes Lehrbuch zur Krankenpflege

Des Weiteren erschien 1679 ein Lehrbuch zur Krankenpflege in Kiel von Georg Detharding, einem Doktor der Medizin. In diesem Buch beschrieb er das Amt des Krankenwärters, nannte Auswahlkriterien und formulierte Grundsätze der Krankenwartung. Zur Krankenpflege favorisierte Detharding Frauen. Sie sollten aber nicht jünger als 40, und auch nicht zu alt sein, um die Kranken nicht zu „verdrießen“. Außerdem sollten sie kräftiger Statur sein, um den Kranken zu betten, ihm aufzuhelfen und Mut zusprechen zu können. Erstmals wurden Anforderungen an die Bildung der Pflegenden gestellt, sie mussten mindestens lesen und schreiben können. 100 Jahre später stellte Johann Storch ähnliche Eigenschaften an die Krankenwärter in seinem 1746 in Gotha erschienenem Lehrbuch für „Die Wohl-unterrichtete Krancken-Wärterin". Auch Storch favorisierte Frauen für die Pflegetätigkeit. Die Ärzte im 18. Jahrhundert setzten sich zunehmend mit Fragen der Krankenpflege im Rahmen wissenschaftlicher Abhandlung auseinander.  Als Gründer der ersten öffentlichen deutschen Krankenpflegeschule (1781 in Mannheim) gilt Franz Anton May.

 

 

 

Überfüllter Krankensaal im Hamburger "Pesthof" mit sechs "Tollkoben" (Einzelzellen für gemeingefährliche Geisteskranke) im Hintergrund. Aus zwei Türluken glotzen zwei Geisteskranke hervor. Rechts und links liegen Sterbende. Ein Toter wird von zwei Wärtern aus dem Saal getragen. Davor die Verteilung von Brot an Sieche, die z. T. auf dem Boden herumrutschen. Ganz im Vordergrund eine Beinamputation (ohne Narkose). Links davon eine Starstichoperation und noch weiter links die Tröstung eines Sterbenden durch einen Pastor. Davor die Labung eines halbnackten Bettlers (mit Krückstock). Über dem Bittblattaus dem Jahre 1750, mit dem in der Hansestadt "milde Gaben" für den "Pesthof" gesammelt wurden, stand mit Fettdruck die Aufforderung an die Spender: "Neunhundert schreyn hier Weh und Ach! Thu wohl! Gott segne tausendfach."(Staatsarchiv Hamburg: Plankammer 134-6 /  91/451

 

Das 19. Jh.

Das Krankenhauswesen veränderte sich im frühen 19. Jahrhundert grundsätzlich. In Kaiserswerth wurden 1836 der Rheinisch-Westfälische Diakonissenverein und die Diakonissenanstalt als Bildungsanstalt für evangelische Pflegerinnen von Theodor und Friederike Fliedner gegründet. Fliedner stellte die Krankenpflege als eine religiöse Aufgabe dar. Die Diakonissen wurden strengen Lebensregeln unterworfen. Die Ausbildung in der leiblichen Krankenpflege wurde einem Arzt übertragen und die Frauen bewusst zur Helferin des Arztes erzogen. Der geistliche Teil der Krankenpflege bestand in religiösen Gesprächen mit dem Kranken und Vorlesungen religiöser Schriften. Geistliche und leibliche Krankenpflege wurde als eine Einheit gesehen, die praktische Hilfe sollte aber Vorrang haben. Somit schuf Fliedner in der Mitte des 19. Jahrhundert die Ethik der Krankenpflege. Fliedner stellte auch Diakonissen für die auswärtige Privatpflege zur Verfügung, erkannte aber bald, dass für eine harmonische Zusammenarbeit organisatorische Voraussetzungen geschaffen werden mussten. Er begann Diakonissen nur in solche Krankenhäuser zu entsenden, in denen sie auch die Verwaltung des Hauses übernahmen. Die Institution der Oberin wurde in diesem Zusammenhang zu einer entscheidenden Position im Krankenhaus und erhielt ein hohes Sozialprestige im Gegensatz zu den bisherigen Krankenwärterinnen. Die Oberinnen achteten streng darauf, dass nur moralisch geeignete Frauen und Mädchen als Diakonissen aufgenommen wurden. An der Charité zu Berlin arbeiteten seit 1850 Diakonissen, doch die liberalen Ärzte der naturwissenschaftlichen Schule konnten sich nicht mit deren weltanschaulichen Ansätzen arrangieren. Im Jahre 1856 setzte sich deshalb der Arzt Rudolf Virchow, Leiter der Berliner Charité, entschieden für die Ausbildung und Ausübung der Krankenpflege außerhalb kirchlicher Organisationen ein.

 

Krankensaal im Städt. Krankenhaus Nürnberg 1898

 

Henry Dunant

Henry Dunant, der als Gründer des Roten Kreuzes gilt, engagierte sich für eine verbesserte Versorgung der Verwundeten. Grund dafür waren seine Erlebnisse auf dem Schlachtfeld von Solferino (1859). Es wurden Vaterländische Frauenvereine gegründet. Diese übernahmen die  Versorgung der Verwundeten in den darauffolgenden Kriegen. Die Idee der öffentlichen Krankenpflege wurde weiter vorangetrieben. Durch die Verbesserung der Ausbildung der Krankenschwester, die keinem konfessionellen Orden angehörte, wurde das soziale Ansehen gehoben. Im Laufe der Zeit wurden an vielen öffentlichen Krankenhäusern Krankenpflegeschulen errichtet, da vor allem der große Fortschritt und die Entwicklung in den operativen Fächern immer höhere Anforderungen an die Krankenpflegekräfte stellte. Um die Jahrhundertwende wurden an großen öffentlichen Krankenhäusern eigene Schwesternschaften gegründet. Die Berufsbezeichnung der Krankenschwester und die Schwesterntracht waren nun allgemein gültig und nicht nur den konfessionell Gebundenen vorbehalten. Es entwickelten sich die Berufe Säuglings- und Kinderkrankenpflege, deren Ausbildung an gesonderten Schulen stattfand.

 

Das 20. Jahrhundert

Am Ende des 1. Weltkrieges kam es im November 1918 zur Revolution (die Monarchie wurde gestürzt und die Republik ausgerufen). In dieser Zeit waren die Reaktionen aus den Reihen der Krankenpflege sehr unterschiedlich. Die Gewerkschaften bekamen jetzt wieder einen höheren Zulauf, da die Arbeitsbedingungen der Krankenpflege immer noch miserabel waren. Die Krankenpflege zersplitterte nun in drei große Hauptgruppen, die kirchlichen Vereinigungen, die weltlichen Genossenschaften und die freiberuflichen Krankenpflegekräfte. Auch in dieser Zeit wurde die Krankenpflege der weiblichen Eignung zugeordnet. Die Schwester sollte sich ganz und gar der Pflege widmen. Die Arbeitszeit der Krankenpflegekräfte war in dieser Zeit katastrophal. Im November 1918 gab es eine „Demobilmachungsverordnung“ (Kern der Vereinbarung waren die Anerkennung der Gewerkschaften, die Koalitionsfreiheit, tarifliche Vereinbarungen über die Arbeitsbedingungen z.B.  8-Stunden-Tag und die Schaffung von Betriebsräten). In dieser wurde für alle gewerblichen Arbeiter, auch in der Krankenpflege, der Acht-Stunden-Tag eingeführt. Die Pflegenden wehrten sich jedoch erfolgreich dagegen und erreichten eine Arbeitszeit von 10 Stunden pro Tag bzw. 60 Stunden wöchentlich. Zwischen 1919 und 1920 wurde der erste Tarifvertrag abgeschlossen. Doch wurden in diesem Vertrag die weiblichen Pflegekräfte vor allem finanziell stark benachteiligt.

 

 

Krankensaal mit Kachelofen

 

Krankensaal um 1920 mit Kachelofen

 

 

 

 

 

[Krankensaal der Chirurgie in den 20er Jahren]

 

Krankensaal, Uniklinik Münster. Zweibett-Zimmer mit eigenem Bad waren in den 20er Jahren noch Utopie.

 

 

Agnes Karll

In dieser Zeit waren die Berufsverhältnisse des Pflegepersonals von Überanstrengung, ungenügender und willkürlicher Besoldung und mangelnder Zukunftsversorgung geprägt. Agnes Karll, eine Rot-Kreuz-Schwester (1868-1927) setzte sich sehr für die Rechte der freiberuflich arbeitenden Schwester ein und gründete 1903 die „Berufsorganisation der Krankenpflegerinnen Deutschlands“. Die Berufsorganisation bot den Mitgliedern Versicherungsschutz und Arbeitsplatzvermittlung, trat für die Rechte der freiberuflichen Pflegerinnen ein und sorgte für eine Ausbildung mit staatlicher Anerkennung. Agnes Karll erreichte durch ihr unermüdliches Engagement internationale Anerkennung und wurde 1909 zur Präsidentin des ICN (International Council of Nurses) gewählt.

 

In der Weimarer Republik begann zwar die Umsetzung der beruflichen Rechte und Möglichkeiten, doch stand die deutsche Krankenpflege, hin- und her gerissen zwischen Idealismus und Rollenverständnis, in sich uneins und berufspolitisch zersplittert, an der Schwelle des Nationalsozialismus.

Die NS-Zeit

Der nationalsozialistische Staat begann unmittelbar nach der Machtübernahme das gesamte Bildungssystem umzustrukturieren, so auch die Krankenpflege und Krankenpflegeausbildung. Die grundlegende Neuorganisation verfolgte im Wesentlichen zwei Ziele. Zum Ersten: die Vereinheitlichung der verschiedenen Berufsverbände, zum Zweiten: die Verdrängung der kirchlichen Verbände.

Für den Nationalsozialismus wurde die Krankenpflege zu einem wichtigen Pfeiler ihres Systems. Der Hauptaufgabenbereich der nationalsozialistischen Schwester sollte die Gemeindekrankenpflege sein, denn hier sah man die größte Einflussmöglichkeit. Die NS-Schwesternschaft sollte die Elite der deutschen Schwestern bilden.

 

1936 wurde ein „Fachausschuss für Schwesternwesen“ gegründet. In diesem waren vertreten:

  • Die NS-Schwesternschaft („Braune“ Schwestern)
  • Der Reichsbund freier Schwestern und Pflegerinnen („Blaue Schwestern“)
  • Die Schwesternschaft des Deutschen Roten Kreuzes
  • Die Diakoniegemeinschaft
  • Der Caritasverband

Ziel der Nationalsozialisten war es, die NS-Schwesternschaft zur zahlenmäßig stärksten Gruppe zu machen. Aus diesem Grund wurde 1942 der Reichsbund freier Schwestern und Pflegerinnen mit der NS-Schwesternschaft zusammengelegt. Trotzdem wurde dieses Ziel nicht erreicht; zu weit klafften die Weltanschauungen der verschiedenen Verbände auseinander. Dennoch empfanden viele Pflegekräfte die Neuordnung positiv. Sie versprach endlich eine Besserung der bis dahin häufig so unerträglichen Arbeitszustände. Viele erkannten jedoch erst später, bzw. viel zu spät, wie diese Verbesserung aussah und wozu die Krankenpflege dann tatsächlich missbraucht wurde.

Nach dem Zusammenbruch des Deutschen Reiches 1945 wurde eine völlige Neuorganisation der Krankenpflege erforderlich.

 

Stationen der Pflege von 1945 bis 1985

-          Prozess der Entnazifizierung, besonders der braunen Schwestern.

-          Großer Bedarf an Pflegepersonen nach dem Kriegsende.

-          Helene Blunck baut Agnes-Karll-Verband (B.O.K.D.) wieder auf.

-          1957: Erneute Diskussion zwischen freien Schwestern und Mutterhausschwestern.

-          Krankenpflegegesetz von 1957, jedoch bald überarbeitungsbedürftig, da Ausbildungsdauer von 2 Jahren von vielen als zu kurz angesehen.

-          1965: Intensivmedizin und Medizintechnik verlangen gut ausgebildete Pflegekräfte: erste Schritte zur Professionalisierung.

-          Novellierung des Krankenpflegegesetzes; Dreijährige Ausbildung.

-          Weitere Änderungen: 1969 und 1972.

 

Stationen der Pflege von 1985 bis heute

-          Integration der Pflegeausbildung in das Berufsfachschulsystem.

-          EU-Normen werde umgesetzt.

-          Ausbildungsziele und –inhalte werden formuliert.

-          Inhalte des theoretischen und praktischen Unterrichts werden festgelegt.

-          Bildungsplan: „Pflege mit System“ wird 1994 eingeführt

-          Einrichtung von Studiengängen zur Pflegewissenschaft.

-          Am 01.01.2004 Inkrafttreten des neuen Krankenpflegegesetzes.

- Änderung der Berufsbezeichnung von "Krankenschwester - Krankenpfleger " in "Gesundheits- und KrankenpflegerIn"

 


 

Zusammenfassung:

Die Anfänge der organisierten Pflege wurden mit dem Christentum in der späten Antike begründet. Das Gebot der christlichen Nächstenliebe, der Caritas, verpflichtete zum Dienst am nächsten und damit auch zur Sorge um den Kranken.

Im späten Mittelalter nahmen sich vor allem die Orden der Ausübung der Pflege an. Durch die Reformation kam es in der Neuzeit zu einem Mangel an Pflegepersonal, dem mit dem Lohnwartesystem (d.h. Lohn wurde damals als Naturallohn verstanden, die Wärter erhielten Unterkunft, Kost und ein Bett im Krankensaal) begegnet wurde. Dadurch motivierte erstmals nicht nur die christliche Nächstenliebe die Pflegenden. Im 18. Jahrhundert arbeiteten zu wenige und zu schlecht ausgebildete Pflegepersonen in den Hospitälern; daher wurde 1782 die erste Krankenwärterschule errichtet.

Die aber immer noch desolate Pflege erforderte im 19. Jahrhundert eine Neuorganisation, der sich die konfessionellen Pflegeverbände mit einer Ausweitung des Mutterhaussystems auf katholischer Seite und der Entwicklung des Diakonissenvereins auf evangelischer Seite stellten. Die Differenzen zwischen den Pflegenden, ob die Pflege nun als Beruf oder caritative Tätigkeit anzusehen sei, prägte die Pflege bis ins 20. Jahrhundert.

Erst 1965 kam es dann zu der bereits seit langem geforderten dreijährigen Ausbildung für die Krankenpflege. Im Zuge der sich etablierenden Intensivmedizin wurden Weiterbildungen für Pflegepersonen eingerichtet, welche vorübergehend die psychosozialen Aufgaben in den Hintergrund treten ließen.

Mit dem Anspruch der Patientenorientierung hielt die ganzheitliche prozesshafte Pflege Einzug.

Die jetzt eingeleitete Professionalisierung dürfte die nächsten 10 Jahre richtungweisend für die weitere Entwicklung der Pflege sein.

 


Literaturverzeichnis

 

Bauer, F. (1965). Geschichte der Krankenpflege. Handbuch der Entstehung und Entwicklung der Krankenpflege von der Frühzeit bis zur Gegenwart. Schriftenreihe zur Theorie und Praxis der Krankenpflege. Herausgegeben vom Deutschen Zentralblatt für Krankenpflege. Band I. Kulmbach: Verlag E.C.Baumann KG.

 

Bischoff, C. (1992). Frauen in der Krankenpflege. Zur Entwicklung von Frauenrolle und Frauenberufstätigkeit im 19. und 20. Jahrhundert (überarbeitete und erweiterte Neuausgabe). Frankfurt/Main, New York: Campus Verlag.

 

Prof. Dr. Haeser, H. (1966). Geschichte christlicher Kranken-Pflege und Pflegerschaften. Bad Reichenhall: Antiquariat Rudolf Kleinert.

 

Lauber, A. (Hrsg.) (2001). Grundlagen beruflicher Pflege. Stuttgart, New York: Georg Thieme Verlag.

 

Möller, U. & Hesselbarth, U. (1994). Die geschichtliche Entwicklung der Krankenpflege  – Hintergründe – Analysen –  Perspektiven (1. Auflage). Hagen: Brigitte Kunz Verlag.

 

Pancke-Kochinke, B. (2001). Die Geschichte der Krankenpflege (1679 – 2000). Ein Quellenbuch. Frankfurt am Main: Mabuse-Verlag GmbH.

 

Schmidbaur, M. (2002). Vom „Lazaruskreuz“ zu „Pflege aktuell“. Professionalisierungsdiskurse in der deutschen Krankenpflege 1903-2000. Frankfurter Feministische Texte – Sozialwissenschaften – Band 3 herausgegeben von Ute Gerhard in Kooperation mit dem Cornelia Goethe Centrum für Frauenstudien und die Erforschung der Geschlechtsverhältnisse, Goethe-Universität Frankfurt am Main. Königstein/Taunus: Ulrike Helmer Verlag.

 

Steppe, H. (Hrsg.) (1993).  Krankenpflege im Nationalsozialismus (7. völlig überarbeitete und erweiterte Auflage). Frankfurt am Main: Mabuse-Verlag GmbH.

 

 

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